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Lobpreisung, Huldigung und Mythenbildung.
Selbstredend ist dieser Blog der richtige Weg um seine bedingungslose und Liebe und ewige Treue zum Schall und Rauch kund zu tun. Doch gibt es Zeiten und Momente im Leben eines Schichtchefs, in den man es mehr als schwer hat.
Im Laufe eines Abends wird man unweigerlich mit Menschen konfrontiert, die einen gewollt oder ungewollt, in den sprichwörtlichen Wahnsinn treiben und damit den recht schaffenden Theker oder die hart arbeitende Bedienung aus dem Rhythmus zu bringen.
Einige der nachfolgenden Szenarien werden dem ein oder anderen Schaller bekannt sein. Wieder andere sind vielleicht individuelle Macken meinerseits, die in meinem Körper, - ohne, dass ich mich dagegen erwehren könnte - ein Gefühl von Unbehagen bis hin zu unbändigem Hass entstehen lässt.
Hier also der Drexische Wegweiser zum richtigen Verhalten in einer Bar (insbesondere im Schall und noch insbesonderer, wenn ich hinter dem Tresen stehe)
1. Sollte der Laden noch nicht so voll sein, zeihen Sie unweigerlich die Aufmerksamkeit im negativen Sinne auf sich, wenn Sie unnötigerweise stundenlang über die Wahl des Sitzplatzes debattieren.
Einen noch schlechteren Start in den Abend haben Sie übrigens, wenn Sie sich bei der Dienst habenden Kollegin aus dem Service am Freitag um 23.50 Uhr nach einem Sitzplatz erkundigen, obwohl offensichtlich ist, dass sich einige Gäste mangels Platz, schon mit dem Gedanken anfreunden, sich auf dem charmanten Schall-Knastklo häuslich einzurichten und Ihren Gin Tonic dort zu trinken.
2. Egal, ob Sie bei Luisa Models unter Vertrag stehen, der Sohn vom bald scheidenden Landesvater Edmund Stoiber sind oder zusammen mit Franz Beckenbauer immer sonntags auf er Driving Range stehen, müssen Sie anfangen zu verstehen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Auslastung des Ladens einerseits und Umfang des Services andererseits gibt. Wenn die Gäste an einem Freitag Abend bis hin zum Antiquariat Hauser stehen, wird Ihnen - und dass gebe ich Ihnen mit Brief und Siegel - weder der Barmann noch der Service eine Schachtel Marlboros an den Tisch bringen (die Chancen, dass dies passiert sind ohnehin recht klein, selbst wenn Sie der einzige Gast im Laden sind)……
3. Wenn Sie in der glücklichen Lage sein sollte, Ihre gastronomischen Grundkenntnisse soweit geschult zu haben, dass Sie erkennen, es wäre höchstwahrscheinlich intelligenter direkt an den Tresen zu ordern, anstatt eingezwängt zwischen Menschenmassen darauf zu warten, dass wie aus dem Nichts plötzlich jemand auf Sie zukommt, der Sie danach fragt, was Sie trinken möchten, (soweit wird es nämlich nicht kommen) müssen Sie sich entscheiden, ob Sie mit oder gegen das Personal arbeiten. Nutzen Sie die Zeit, die benötigt wird, um Ihren Drink zuzubereiten dafür, Ihre Geldreserven an den Start zu bringen.Bezahlen müssen Sie so oder so, dass wissen Sie nicht erst dann, wenn man Ihnen den Preis nennt.
Wer als Gast die Preise im Kopf hat (soweit das mit dem fortgeschrittenen Alkoholpegel noch möglich ist) und passend ( Tipp nicht vergessen) zahlt, hat unweigerlich einen Stein im Brett. Anders sieht es aus, wenn Sie (völlig überrascht, dass der Drink nicht umsonst ist) verzweifelt in Ihrer Handtasche nach Ihrem Geldbeutel wühlen, nur um dann anschließend in Ihrem Kleingeldfach nach Zehnerl zu suchen.
Fortsetzung folgt….
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Alternativname
…sehr schön: „Saus und Braus“ (Ein Gast telefoniert übers Handy:„Du ich sitz im Saus und Braus in der Schellingstraße, du musst noch vorbeikommen…ja du weißt schon, im Saus und Braus, ist total witzig hier…“)
Beste Bar
… in München – ach, wahrscheinlich auf der Welt…
Cuba
… nach ein paar Schlückchen purem Rum passt dann auch ein bisschen Cola ins Glas…
Daseinsberechtigung
…wird manchen Gästen nach Feierabend im Schall mal gerne lautstark aberkannt…
Extremscheitel
…der wohl meistgehasste Mann im Schall
Feierabend (-bier)
… schönster Teil des Abends im Schall…
Giftzwerg
…ohne Worte..
Hausverbot
… von manchen inflationär gebrauchte Maßnahme bei extrem nervigen Gästen…
Islingers
…die süßen Schallschwestern…
Jelea
… gute Seele in der Küche…
Keller
…siehe Personal…
Leichtigkeit
…tritt mit sofortiger Wirkung beim Betreten des Schalls ein und wird durch Prosecco auf Eis angenehm verstärkt…
Milchschaumhölle
…Samstagnachmittag im Schall…
Neun
… offizieller Versammlungsort von „Schall & Friends“
Oh Bauer
… nimm mich mit….
Personal
… Sodom und Gomorrha…
Quengeln
…mimimi in der Frauensauna am Sonntagabend…
Rau(s)ch
… beides übermäßig vorhanden an so einem ganz normalen Abend im Schall…
Schichtchef
…hat den Laden im Griff…
Tiger
… von Gästen missbrauchtes und wiederholt entführtes Haustier, das traumatisiert die Ecke hinter Tisch zwölf bewacht und dabei zu einer sehr bedrohten Spezies wird…
Umsatz
„… wir haben aber mehr gemacht…“
Ventilator
… schade, dass die neuen Ventilatoren jede Hoffnung, dass Scheitel zufällig enthauptet wird nun zunichte gemacht haben…
WM im Schall
… was für ein Fest…
X-beliebig
…Partnerwahl nach dem dritten Cuba…
You can call me beer
…was wäre ein Rockstarabend ohne die Wanke-Bea…
Zimstern, Dr.
…der Arzt hinter der Bar für Betäubungen aller Art…
Katha
Hallo ihr Lieben, nachdem ich schon häufiger darauf angesprochen wurde, hier nun ein kleiner Beitrag von mir. Es sind Auszüge einer Kurzgeschichte, die ich mal für eine ganz besondere Person geschrieben habe
Hoffe, die Person verzeiht, dass ich “fremdveröffentliche”. Jessi
Ein ganz normaler Freitag
Mein Leben als Boheme bringt mich hier und da schon an die Grenzen. Spät aufstehen und erst einmal die letzte Nacht verarbeiten. Wie immer war es zu viel von Allem. Zu viel geraucht, zu viel getrunken, zu viel geredet. Die Grenzen einer anderen Liga überschritten. Der ersten Liga.
Nachdem ich mich den halben Tag mit meiner ewig unvollständigen Doktorarbeit quälte, erfreute mich der Gedanke abends meine Arbeitsleistung in Form von Bierausschenken anbieten zu können. Meistens bin ich froh arbeiten zu dürfen, denn da mein kleines Zimmerappartement nicht den nötigen Platz für gesellschaftliche Kontaktpflege bietet, missbrauche ich regelmäßig die Kneipe als Wohnzimmer und Ort der sozialen Zusammenkunft. Wo sonst hat man so viel Spaß und bekommt dafür noch Geld. Die Arbeit ist dabei reiner Automatismus und läuft nebenher.
Es fühlt sich angenehm an, den warmen, dunklen Raum zu betreten und dabei den vertrauten Geruch von Zigaretten, Bier und Essensresten einzuatmen. Die Tagschicht hat der dienstälteste bestritten. Thomas, genannt Pommes. Während er in seiner gewohnt besonnen ruhigen Art die letzten milchgefüllten Gläser durch die langsame Zugabe eines Espresso in kleine Kunstwerke verwandelt, bereite ich mich wie immer nervös und angespannt auf die bevorstehende Freitagschicht vor. Harmonie und Hektik, in den wenigen Minuten des Schichtwechsel vereint hinter der Theke. Wie Yang und Yin erscheinen wir als dynamisches Paar von Gegensätzen.
10 Minuten zu spät, aber für seine Verhältnisse noch gut in der Zeit, trudelt dann auch Max ein. Max, meine gastrofachmännische Begleitung durch die heutige Nacht. Jetzt erst mal an den vom Personal okkupierten Neunertisch die Ruhe vor dem Sturm aussitzen, und dabei stetig das eigene Lungenkrebsrisiko herausfordern.
In Gedanken noch in der Überlegung, ob ein Prosecco auf Eis um die Uhrzeit jetzt angemessen ist, oder ob ich mir nun eher Gedanken darüber machen sollte, dass ich überhaupt schon wieder an Alkohol denke, steht plötzlich Matthias am Tisch und fordert seinen Wochenendanfang in Form von Becks ein. Nach kurzem Begrüßungs-Hin-und-Her einscheide ich mich ihn nicht allein trinken zu lassen und schenke mir einen Prosecco ein. Max kümmert sich währenddessen um die Musik. Mir ist die Musik meistens egal. Sie sagte mir nichts, meiner Meinung nach ist sie in Kneipen nur dazu gut, Zeitlöcher musikalisch zu untermalen oder den Leuten ein gewisses Maß an Privatsphäre vorzugaukeln. Später wird die Musik einen weiteren Zweck erfüllen, nämlich dass die Leute sich in Ruhe anschreien können.
Eine indisch gewürzte Spaghetti-Bolognese, zwei Stunden und drei Prosecco später, füllt sich der Laden nach und nach mit Leuten, deren Kehlen dehydriert scheinen. Die angekündigten Reservierungsgäste, drängen auf ihre Plätze und kommen hier und da Platzhirschen gleich. Gerade noch rechtzeitig zur aufsteigenden Partystimmung trifft dann auch der Teil vom Personal ein, der an diesem Abend frei hat, aber dennoch seine Zeit hier in gesellig familiärer Runde hier verbringen wird. Stefan, Nicole, Ingi, http://www.facebook.com/photo.php?pid=480166&id=650512637, Katha, Karena, Martin. Die Vorraussetzungen für einen perfekten Abend sitzen nun dicht zusammengerückt auf der Neun.
Bestellung über Bestellung, schnelle Abfertigung. Normaler Wahnsinn. Auch Max merkt langsam den ansteigenden Druck und beschleunigt sein Arbeitstempo. Freitagabend-Routine.
Eine Stunde später ist das Schall kurz vorm zerbersten. Hoch oben an der Decke vermischen die Ventilatoren die Luft mit dem Rauch und wirbeln sie gleichzeitig nach unten. Gesichter schimmern im gedämpften Licht, redend, schreiend und den Rauch wiederum zur Decke schickend. Die Leute drängeln sich aneinander vorbei und umeinander herum, und es riecht nach Schweiß, Rauch und Bier. Die Stimmung ist gut, die neu abgemischte CD von Petko, tut ihr übriges und es wird gefeiert, als gäbe es kein Morgen mehr. Ich mag genau diesen Augenblick. Den Augenblick in dem sich der Barbereich hinter dem Tresen in eine Art Tanzarena verwandelt. Ich vergleich die Arbeit in einem guten Team immer gerne mit einem stilvoll getanzten Tango. Dieselben grazilen Bewegungsabläufe, wenn sich die Körper beim Vorbeihuschen kurz berührten, dieselbe Leidenschaft, dieselbe Bewunderung des Publikums. Ich stehe gerne hinter dem Tresen, wenn der Laden voll ist. Ich mag die Hektik und das schnelle Arbeiten, während die Leute sich auf der anderen Seite des Tresens drängeln, manche rufen, andere bloß flehendlich schauen oder aus der zweiten Reihe mit Geldscheinen wedeln, sie alle wollen unsere Aufmerksamkeit, und wir sind gut darin zu erkennen, wer als nächster dran ist und wer sich nur vordrängelt. Heute sind Max und ich als Team besonders eingespielt, bei uns sitzt jeder Handgriff, und mit einer Geschwindigkeit, die in der Schwabinger Kneipenszene ihresgleichen sucht, öffnen wir Bierflaschen, mischen Longdrinks, gießen Schnäpse je nach Bekanntheitsgrad und Symphatie mehr oder weniger großzügig in die Gläser, rechnen zusammen, kassieren, begrüßen Freunde und Bekannte, geben dem einen oder anderen was aus und füllen dabei stetig unser Fünfzigerglas. Unser Publikum ist gleichzeitig Bewunderer einer eigenartigen Zauberkunst, unser nichtmüdewerdendes Partyvolk und unsere große Familie. Und wie in jeder Familie üblich, verstehen sich die einen oder anderen mal mehr und mal weniger. Es erinnert mich an die letzte große Partynacht im Schall. Da stand ich auf der anderen Seite der Theke. Trank, feierte und beobachtete. Die Party, die Gäste und das Personal. Stefan, schleppte damals ständig irgendwelche süßen Prosecco-Bull-Gemische an, die deutliches Sprechen unmöglich machten. Alles klebte. Zunge an Gaumen, Ober- an Unterlippe. Buchstaben blieben zwischen Zähnen hängen, Silben überschlugen sich. Genau wie heute waren auch damals alle da.
Gegen eins kleben meine Augen kurz an der Wand. Überall schieben sich Körper in ihrem eigensinnigen Rhythmus zu einem Sound der schon zur Jahrtausendwende sein letztes Revival erlebte. Ich sehe wippende Körper, und mittendrin hippieähnlich gelöst tanzend Katha und Bea. Sie erinnern mich an ein Bild, das mir Olli einmal zum Geburtstag schenkte. Das Bild. Mein Bild. Die Amazone. Es hängt in meinem Zimmer, an der hinteren Wand. Damit kein Sonnenlicht draufknallt und das Bild verblassen lassen könnte.
Während sich das Schall langsam leert, denke ich an meine nächste Schicht. Sonntagabend. Das absolute Kontrastprogramm zum heutigen Abend. Es sind die Abende der Rückbesinnung. Und der Gegenwart. Jene Abende an denen ein jeder sich gleichzeitig als Trostspender, Beziehungsberater, Krisenbewältiger, Psychologe, Arzt, Rechts- und Steuerberater, Jobvermittler, Berufsoptimist, Witzbold und Clown beweisen muss. Jene Abende an denen das Schall ein Ort der Entspannung und Erholung von den Schlachten des Alltags wird. Wer eintaucht, vergisst. Manchmal sogar zuviel.
Gegen drei ist die Party vorbei. Für heute jedenfalls. Schwere Augen und dicke Zunge. Den Rauchgeruch noch in der Nase und ein Teil des Personals, das noch immer feiert. Großer Abend, großes Kino. Es ist spät geworden. Und alles vermischt sich mit Schall und Rauch.
Jessi
Das Gefühl ist großartig. Nach Monaten der Entbehrung und des Verzichtes auf fettige, in Pappschachteln beheimatete, fleischige Freunde, ist jetzt die Zeit des Triumphes gekommen. Welcher Ort eignet sich besser für die eigene Siegerehrung als ein Traumstrand in Thailand? Als Ehrenrunden dienen kurze Strandläufe, die das Ego liebkosen und Belohnungen in Form von Thai-Fingerfood nach sich ziehen. So sitzen wir nun friedlich und zufrieden bei der Verdauung am Strand und betrachten wohlwollend andere Strandlebewesen. Da nähert er zum ersten Mal. Er ist schwarz. Er ist schnell. Er läuft ohne jede verdammte Kraftanstrengung im tiefen Sand. Er nähert sich mit schnellen, eleganten und kraftvollen Laufschritten und nach einem Bruchteil einer Sekunde ist er auch schon 200 Meter weiter weg. Wir schauen uns verwundert an? Was war das denn? Na gut, na gut. Es gibt einfach Jungs, die uns vielleicht temporär noch eine wenig überlegen sind zwecks Strandfigur und Fitness-Zustand. Eine Stunde später, bewaffnet mit kalten Milchshakes, frischem Obst und eine marginal kleiner gewordenenem Selbstvertrauen sieht die Lage schon wieder ganz anders aus. Doch was passiert, als wir gerade von unseren Schattenplätzen der Mittagssonne zuzwinkern? Mr. Boombastic kommt in genau dem gleichem Tempo, in genau gleich hohem Sand, barfuss, bei gefühlen 43° Grad zurückgelaufen und ist nach dem Bruchteil einer Sekunde 201 Meter weiter weg. Den einen Schweißtropfen an der Stirn, den einer von uns aus der Ferne gesehen haben will, kann niemand offiziell bestätigen. Der Typ ist der Hammer. Kommt daher, wie eine Mischung aus allen Jacksons, Johnsons oder Jordans, die man aus der Welt des Sports kennt und läuft durch den dampfend heissen Sand, als gäbe es nichts Angenehmeres auf der Welt. Noch dazu hat der Kerl einen Body, der selbst einen nüchternen Betrachter leicht zu homoerotischen Elegien verleitet. Die Phase der Bewunderung und des Respekts unter Sportsmännern endet aber unvermittelt, als der Typ wiederum eine gute Stunde später zum dritten Mal aus der Ursprungsrichtung an uns vorbeiläuft. Den Vorschlag, von der Strandbar aufzustehen und den schwarzen Superman als Rache für alle versammelten Strand-Normalos einfach umzulaufen, wird mit dem Argument gekontert: “Wahrscheinlich nimmt er dich Huckepack und läuft mit dir im gleichen
Tempo weiter”. An dieser Stelle muss ich aufhören. Die Erinnerung tut einfach zu weh!
Mäx
Die Rucksäcke waren gestopft, die Tickets gekauft und die Vorfreude groß. Entspannt (die einen mehr, der andere weniger) von 5 Tagen nichts tun, waren wir voller Tatendrang und bereit, Bangkoks Nächte unsicher zu machen.
Einfach mit der Fähre rüber auf’s Festland nach Surat
Thani, dann in den Nachtzug 1. Klasse einchecken, um am nächsten Morgen ausgeruht in der 10 Millionen Metropole einzutreffen.
Doch es kam alles anders:
Als wir beschwingt am Bahnhof von Surat Thani eintrafen, wurden wir im feinsten Thai-Englisch darauf hingewiesen, dass es zu einem Zugunglück weiter südlich gekommen ist und dass auf Grund dessen der gesamte Schienenverkehr auf dieser Strecke zum erliegen käme. (”No train go Bangkok, early train accident)
Nachdem der Ärger über unser Unglück, dem Gefühl der Erleichterung wich, dass wir nicht in dem verunglückten Zug saßen, waren wir zunächst ratlos, wie wir unsere Reise nun vorsetzen würden können. Wir waren gestrandet in einem Außenbezirk von der Middle of Nowhere, in dem die Gehsteige aber schon sowas von hochgeklappt waren (es war zwischenzeitlich nach 22 Uhr). Kein Leben, keine Hotels, einfach nichts. Ich fühlte mich unweigerlich an meinen ersten und gleichzeitig letzten Besuch im BRIK zurückerinnert.
Glücklicherweise haben die Thailänder immer eine Lösung parat, die man aber meist retrospektiv bereut oder zumindest teuer bezahlt (im eigentlichen und/oder im weitesten Sinne).
Ein freundlicher Thai bot an, uns gegen einen geringen Aufpreis, verglichen mit dem Zugticket, mit einem Minibus nach Bangkok zu fahren. Wir hatten uns relativ schnell auf einen Fahrpreis geeinigt, da wir unverzüglich einsehen mussten, dass wir es mit einer thailändischen Version Kofi Annans zu tun hatten, zumindest was sein Verhandlungsgeschick betraf. Zugegeben fällt das auswählen einer aussichtsreichen Verhandlungstaktik etwas schwer, wenn die offensichtlich einzige Alternative darin besteht, im Bahnhofsviertel auf dem Boden zu schlafen, ohne zu wissen, ob am nächsten Tag die Züge wieder fahren würden.
Anschließend machten wir einen folgenschweren Fehler:
Wir zahlten als erstes, um uns die besten Plätze sichern, da eine Handvoll Backpacker mit dieser so scheinbar praktischen Lösung des Minibuses liebäugelten. An der Romantik der 7. Klasse Schullandheimbusfahrten festhaltend, sind wir einhellig zum Schluss gekommen, dass die letzte der 3 Reihen, die beste, respektive coolste war. Als wir bemerkten, dass wir mit Abstand die schlechtesten aller Plätze ausgewählt hatten (kein Platz, Gepäck fiel auf unsere Köpfe, kein direkter Zugang zum Ausgang, keine Möglichkeit der Kommunikation mit dem Fahrer), war der sprichwörtliche Zug schon abgefahren und die anderen Insassen hatten Ihre Plätze schon eingenommen.
Am Beifahrersitz nahm Piotr Platz, ein unsympathischer Typ aus dem osteuropäischen Raum, der sich innerhalb der ersten Stunde Fahrt eine Flasche Mekong Whiskey reinstellte. Direkt dahinter saßen seine zwei Ischen, nennen wir Sie spaßeshalber einfach mal Olga und Aleksandra. In der darauffolgenden Mittelreihe saß auf der linken Seite eine backpack-erfahrene, französische Weltenbummlerin, die sich in weiser Voraussicht eine Valium schmiss, bevor die Fahrt überhaupt begonnen hatte. Neben Ihr, Hanni & Nanni aus dem skandinavischen Raum, die augenscheinlich zu naiv waren, um nachvollziehen zu können, auf was sie sich hier gerade eingelassen hatten. In der hintersten Reihe, eingepfercht wie Ölsardinen, Mäx, Tom und ich. Eine akute Thrombosegefahr war nicht von der Hand zu weisen.
Die Fahrt:
Die erste Stunde ging sich eigentlich ganz chillig an: Jack Johnson schallte aus den Tieftönern und die Geschwindigkeit war akzeptabel, der Verkehr überschaubar. Doch mit dem Musikwechsel zu undefinierbarem Rock, ging ebenso ein Wechsel des Fahrstils einher, sowie eine merkliche Beschleunigung. Wir hatten die “Autobahn” erreicht.
Das Geld für die Straßenmarkierung hätte Thailands Verkehrsminister getrost an seinen Kollegen des Gesundheitswesen abtreten können oder sonst anderweitig investieren sollen, da diese Markierungen bei den Thailändern in etwa so viel Beachtung finden, wie Extremscheitel, der als erstes Getränk einen Schnitt an der Bar bestellen möchte. Grundsätzlich erinnerte der Zustand der Straße doch sehr an die Highways zu Zeiten Familie Feuersteins. Auch die Stoßdämpfer entstammten offensichtlich derselben Schmiede, die auch Barney Geröllheimer belieferte. Die Tatsache, dass wir während der 700 Kilometer langen Fahrt an fünf Unfällen vorbeirasten, schmälerte unsere Zuversicht, die Odysee unversehrt zu überstehen.
Jeder von uns hatte seine ureigene Strategie entwickelt die zahlreichen Nah-Todes-Erfahrungen zu verarbeiten und die Nervosität zu besiegen:
Ich schaffte es, meine geschätzten 189 tot geglaubten Mückenstiche, wieder neues Leben einzuhauchen, indem ich pausenlos an ihnen herumkratzte. Tom brachte sich mit Hilfe seiner Musik in einen quasi transzendental-meditativen Zustand. Mäx hingegen versuchte, psychologisch recht interessant, das Geschehen auf der Straße so detailliert zu schildern, wie einst Herbert Zimmermann das Wunder von Bern im Wankdorfstadion ‘54.
Tom würde Frau und Kind hinterlassen, Mäx würde Steffi zum Witwendasein verdammen und ich hatte eigentlich auch nicht vor im zarten Alter von 27 das Zeitliche zu segnen.
Zweifellos kannte der Fahrer die Strecke im Schlaf. Um jedoch sicher zu gehen, dass er diese Redewendung nicht allzu wörtlich nehmen würde, wollten wir ihn bei der ersten Rast auf seine Fahrtüchtigkeit überprüfen.
Gesagt, getan.
Der erste Stop ließ etwa 2 Stunden auf sich warten und nachdem er aus dem Wagen gestolpert war, schaute ich in seine Bud Spencer Augen und fragte im feinsten Oxford Englisch, ob er nicht müde sei und eine Mütze voll Schlaf nicht angebracht wäre. Alles, was ich erntete, war ein :”Not tire”.
Er war in etwa so glaubwürdig, wie einst Mohammed Said El Sahhaf, der irakische Informationsminister, der seinem Volk und der ganzen Welt versicherte, der Krieg wäre so gut wie gewonnen, während seine Landsleute zeitgleich das Saddam Hussein Denkmal vor dem Hotel “Palestine” stürzten.
Es änderte sich daraufhin nicht allzu viel. Man wurde den Verdacht nicht los, der Fahrer hätte sich die letzten 20 Stunden auf einer Full Moon Party vergnügt und zeitweise kam ich mir vor als säße ich in Flug 193, der auf das Pentagon zusteuert und verspürte das dringende Bedürfnis, meine Mutter anzurufen, um Ihr zu sagen, wie sehr ich sie liebte.
Gefühlte 27 Stunden später (tatsächlich waren es ungefähr 9), kamen wir dennoch unversehrt in Bangkok an.
Unter akutem Schlafmangel leidend, dankten wir Budda, Gott und Mohammed. Kurz überlegten wir uns, den Boden zu küssen, verwarfen diese Idee allerdings ebenso schnell wieder.
Es steht außer Frage, dass uns diese Fahrt, mindestens 5 Jahre unseres Lebens gekostet hat. Aber wenn man länger darüber nachdenkt, ist es eigentlich ein fairer Preis.
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Nicht nur ich habe mich auf den Trip nach Thailand gefreut, gleichermaßen beginnt für die Culicidae, auch bekannt als gemeine Stechmücke oder Moskito, die schönste Zeit des Jahres.
Ich bin das fleischgewordene Tantris für Moskitos. Im Gegensatz zum Original in München, bin ich umsonst und es gibt ein All you can eat Menu. Es scheint fast so, als würden sich sämtliche Generationen zusammenfinden, um auf meinem linken Fuß gemeinsam das Thanksgiving Fest zu begehen.
Glücklicherweise bekommt mein Fuß ohnehin nur 3 von 10 möglichen Punkten auf der Schönheitsskala.
Ich habe mich damit abgefunden und sehe es als Möglichkeit an, dem Land, das mir so vieles bietet, etwas zurückzugeben.
Ganz davon abgesehen waren unsere Präventivmaßnahmen mehr als nur lausig. (22:48 Uhr, alle Licher an, Fenster und Tür sperrangelweit offen) Wenn sich noch jemand erbarmt hätte und mitten in unser Zimmer geschissen hätte und ich mich mit Wassermelone eingerieben hätte, wäre das Moskito Glück perfekt gewesen.
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Hier kann man sehen, wie man sich am besten auf einen Abend mit Grandmaster Flash vorbereitet.
Gemeinsames Schunkeln…
…möglichst lässiges Dreinblicken…
…was manchen eindeutig besser gelingt, als anderen…
…dazwischen etwas relaxen an der Bar…
…und immer wieder mal ein Bierchen (wahlweise auch Hochprozentigeres)
“Warum sind die Maenner so albern?” fragte ich meine Mutter.
“Sie sind eben - gluecklich.”
“Und warum?”
Sie musterte die Maenner und dachte nach.
“Bier, mein Liebling. Sie sind gluecklich, weil es Bier gibt.”
J.R. Moehringer